CFS Index
25.03.2026
CFS-Index: Finanzinstitute wachsen deutlich, Dienstleister dauerhaft im Minus
(Umfrageerhebung vom 09.03.26 – 16.03.26 für Ergebnisse des vierten Quartals 2025)
Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt im vierten Quartal 2025 leicht um 1,4 Punkte auf den Stand von 107,1 Zählern. Die vermeintliche Stabilität ergibt sich jedoch daraus, dass die deutlichen Verluste der finanzdienstleistenden Unternehmen von den stabilen Zuwächsen bei den Finanzinstituten rechnerisch ausgeglichen werden. Während die Bewertungen der befragten Fach- und Führungskräfte bei den Finanzinstituten auf neue Höchststände beim Umsatz- und Ertragswachstum hinauslaufen, verfestigt sich bei den Dienstleistern ein klarer Trend zu Ergebnissen, die unter der neutralen Marke von 100,0 liegen. Enttäuschend ist auch die schwächelnde Bedeutung Deutschlands als internationaler Finanzplatz in den Augen der Panelisten.
„Zur Besorgnis für den Finanzplatz gibt besonders Anlass, dass die Erwartungen der befragten Dienstleister sich in allen Bereichen wieder deutlich verschlechtert haben“, kommentiert Prof. Dr. Rainer Klump, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die Bewertung der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland ist nach dem vierten Quartal 2025 um 9,0 Punkte eingebrochen und markiert im Mittel der Angaben von Finanzinstituten und Dienstleistern einen Stand von 91,7 Punkten. Besonders in der Wahrnehmung der dienstleistenden Unternehmen in der Finanzbranche verliert der Standort zunehmend an internationaler Bedeutung, sodass sich hier ein Wert von nur 85,6 Zählern ergibt. Die erhoffte Trendwende bei den Bewertungen der Branche hat sich nicht eingestellt.
„Die Erwartung, die internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland würde sinken, darf uns nicht kalt lassen. Ich teile diese Einschätzung nicht und glaube, wir sind in den Sog der allgemeinen Skepsis angesichts der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geraten. Ich bin zuversichtlicher, nicht zuletzt weil die Politik die strategische Bedeutung des Finanzplatzes erkannt hat – sowohl auf Bundes- als auch auf Landes- und kommunaler Ebene. Das, gepaart mit einer pragmatischen Umsetzung von EU-Regeln, wie bei CRD VI geschehen, zeitigt Ergebnisse. Ich rechne also eher mit weiteren positiven Überraschungen“, erläutert Oliver Behrens, Präsident von Frankfurt Main Finance.
Ungleiche Entwicklung der Branchen beim Umsatz- und Ertragswachstum
Das Wachstum der Umsätze bei den Finanzinstituten verstetigt sich im vierten Quartal 2025 mit einem Plus von 6,3 Punkten auf 127,8 Punkte, den höchsten Stand, den dieser Einzelwert seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2007 jemals erreicht hat. Ein entgegengesetzter Trend zeigt sich bei den dienstleistenden Unternehmen. Hier verstärkt sich die Bewegung ins Minus: Das Umsatzwachstum sinkt nochmal um 10,8 Punkte auf 96,2 Zähler und damit unter die neutrale Schwelle von 100,0 Punkten. Die Erwartungen bei Finanzinstituten (+3,1 Punkte) und Dienstleistern (-11,6) führen die derzeitige Entwicklung in die Zukunft fort.
Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich beim Wachstum der Erträge. Hier melden die befragten Finanzinstitute ein stabiles Wachstum von 5,8 Punkten und auch hier erreicht dieser Subindex mit 126,7 Zählern den höchsten Wert seit der Finanzkrise 2007. Bei den Dienstleistern sinkt das Ertragswachstum um 5,8 Punkte auf die neutrale Marke von 100,0, wobei der sich Negativtrend in den Erwartungen noch verstärkt.
Das Investitionswachstum bleibt indes in der Gesamtbranche stabil
Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute erhöht sich ebenfalls um 5,4 Punkte auf 114,4 Punkte und markiert damit einen weiteren Spitzenwert der letzten Jahre. Die Dienstleister investieren im Vergleich zum Vorquartal 1,0 Punkte weniger, und bleiben damit trotz des deutlich gesunkenen Wachstums bei Umsatz und Erträgen bei dem relativ hohen Ergebnis von 104,8 Punkten. Im Mittel erreicht das Wachstum der Investitionen der Gesamtbranche den Stand von 109,6 Zählern.
Die Subindizes zur Darstellung des Mitarbeiterwachstums spiegeln die Entwicklungen bei Umsätzen und Erträgen. Während die Finanzinstitute Personal einstellen und sich der entsprechende Subindex um 5,1 Punkte auf die Marke 110,0 erhöht, sinkt das Mitarbeiterwachstum bei den Dienstleistern um 5,2 Punkte und rutscht auf den Stand von 97,1 Punkten. Die Erwartungen lassen auch hier keine nennenswerten Veränderungen für die Zukunft vermuten.
Allgemeine Methodik der Indexberechnung
Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.
Kurzprofil CFS
Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.
Wir danken Frankfurt Main Finance e.V. für die finanzielle Förderung des Projekts.

