CFS Index

02.07.2026

CFS-Umfrage: „Die Zukunft des Retail Banking in Deutschland“

Der Wettbewerb verschärft sich. Neue Anbieter setzen die Etablierten unter Druck.

Hintergrund:

Kaum ein Marktsegment im Banking sieht sich einem so starken Umwälzungsprozess ausgesetzt wie das Retail Banking (ohne Private Wealth Management). Technologische Veränderungen wie KI und die zunehmende Virtualisierung der Kundenbeziehungen setzen etablierte Anbieter wie Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Geschäftsbanken unter Druck. Fintechs wie Revolut, Trade Republic, N26 und andere adressieren vor allem jüngere Kunden. Gleichzeitig steigen digitale Anbieter internationaler Großbanken wie CHASE und BBVA in den deutschen Markt ein. Was bedeutet das für die Zukunft des Retail Banking in Deutschland?

Ergebnisse der Umfrage:

Eine überwältigende Mehrheit der Befragten (96%) ist der Meinung, dass die Wettbewerbsintensität im deutschen Privatkundengeschäft weiter zunehmen wird.

Etwa 63% der befragten Fach- und Führungskräfte aus dem Finanzsektor erwarten vor diesem Hintergrund eine sinkende Profitabilität der hiesigen Anbieter. „Die Neo-Banken tun sich schwer, nachhaltig profitabel zu werden. Eine größere Gefahr für die traditionell marktführenden Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehe ich durch den Eintritt von ausländischen Anbietern wie CHASE. Die haben einen langen Atem und können sich durchaus auch Kampfkonditionen leisten, um Kunden zum Wechsel zu bewegen“, sagt Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

Besonders betroffene Produktsegmente werden von den Teilnehmern der Umfrage im Brokerage und im Zahlungsverkehr gesehen. „Hier tummeln sich besonders viele Fintechs. Denn die regulatorischen Hürden sind in diesen Segmenten nicht so hoch wie im Finanzierungs- und Einlagengeschäft“, erläutert Brühl.

Interessant ist auch die Frage, bei welchen Bankengruppen die Panelisten den größten Handlungsbedarf sehen. Hier ergibt sich ein differenziertes Bild für Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Geschäftsbanken. Ein Handlungsbedarf besteht nach Einschätzung der Befragten grundsätzlich bei allen Bankengruppen. Jedoch wird ein besonders hoher Anpassungsbedarf bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken gesehen.

„Hohe Wettbewerbsintensität ist gut für die Kunden und das beste Fitnessprogramm für Akteure im Markt. Der Druck, dem Kunden moderne Lösungen zu bieten und schneller und umfassender auf kundenfreundliche, innovative Technik zu setzen, steigt. Darin liegt für die Institute weniger eine Bedrohung als eine Chance. Das zeigt der Beschäftigungsanstieg bei den Banken in Deutschland, den wir nach jüngsten Zahlen der EZB im Jahr 2025 gesehen haben“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Wir danken Frankfurt Main Finance e.V. für die finanzielle Förderung des Projekts.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

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Prof. Dr. Volker BrühlGeschäftsführer

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