CFS Index
25.03.2026
CFS-Umfrage: Welche Auswirkungen hat “Agentic AI” auf die Finanzindustrie?
Der Einsatz von KI prägt bereits heute viele Arbeitsplätze in der Finanzbranche – erheblicher Stellenabbau erwartet
Hintergrund:
Agentic AI steht für KI-Systeme, die eigenständig denken, lernen und handeln. Sie nutzen große Sprachmodelle, um komplexe, mehrstufige Probleme möglichst autonom zu lösen (Fraunhofer). Zahlreiche Finanzinstitute nutzen bereits unterschiedliche KI-Instrumente, um Prozesse zu automatisieren, Kosten zu sparen und den Kunden innovative Lösungen anzubieten. Welche Auswirkungen hat die KI-Revolution mittel- bis langfristig auf den Finanzsektor?
Ergebnisse der Umfrage:
Mehr als 88% der befragten Fach- und Führungskräfte aus dem Finanzsektor geben an, dass ihr Arbeitgeber bereits KI-Tools einsetzt. Dabei fällt auf, dass der Einsatz von KI bei 40% der Befragten in den Kundenbereichen (Privatkunden, Firmenkunden) erfolgt und zu ca. 30% bis 35% in zentralen Funktionen wie Risikomanagement, HR oder Legal/Compliance. Etwa 55% der Befragten erwarten einen Rückgang der Beschäftigung in der Finanzindustrie von 5% bis 10% der Belegschaft in den kommenden 5 Jahren. Gut 20% gehen sogar von einem noch stärkeren Rückgang von 10% bis 20% aus. Dies deckt sich mit der Einschätzung der Panelisten, wonach knapp 15% der Befragten von einem hohen bis sehr hohen Risiko ausgehen, dass der eigene Arbeitsplatz durch KI in den nächsten 5 Jahren verloren gehen könnte.
Der Einsatz von KI verändert auch den Arbeitsplatz. Das geben fast 60% der Panelisten an. Durchaus überraschend ist, dass fast 40% der Teilnehmenden bisher keine Veränderung an ihrem Platz feststellen können.
„Die Umfrage verdeutlicht, dass KI in der Finanzindustrie bereits heute stark verbreitet ist. Gleichzeitig besteht aber offenbar noch ein erhebliches Potenzial für eine noch intensivere Nutzung“, sagt Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.
Die bisherigen Erfahrungen im Hinblick auf die mit KI erzielten Arbeitsergebnisse sind überwiegend (72,6%) positiv oder sehr positiv. Ein entscheidender Erfolgsfaktor beim Einsatz von KI besteht in einer entsprechenden Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Hier zeigt sich ein gemischtes Bild. Während sich gut 50% der Befragten gut oder sehr gut auf den Einsatz von KI vorbereitet fühlen, schätzen etwa 32% ihre Vorbereitung auf KI nur als befriedigend ein.
„KI kann die Arbeitsproduktivität deutlich erhöhen. Dazu müssen die Unternehmen aber erhebliche Investitionen in Weiterbildung tätigen“, erläutert Brühl.
Der bisherige regulatorische Rahmen für den Einsatz von KI in der EU durch den AI-Act wird kontrovers diskutiert. Manchen Beobachtern geht die Regulierung zu weit, anderen nicht weit genug. Die Auffassung der Panelisten aus der Finanzindustrie ist hier eindeutig. Nahezu 70% lehnen eine noch stärkere Reglementierung von KI ab.
„Die Finanzindustrie hat das Potenzial von KI erkannt und setzt sie bereits in großem Umfang mit guten Ergebnissen ein. Die Ängste um Arbeitsplätze sind so alt wie die technologische Entwicklung. Dabei ist Kollege KI die perfekte Antwort auf die demographischen Herausforderungen und die wachsende Komplexität. Das Potenzial für Produktivitätswachstum ist enorm. Ein wesentlicher Beschleuniger hierfür wäre eine anschlussfähige Regulierung mit dem klaren Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Institute in Deutschland und der EU zu stärken. Diesem Anliegen schließt sich die große Mehrheit der Branche an, wie die Umfrage zeigt“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance.
Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.
Wir danken Frankfurt Main Finance e.V. für die finanzielle Förderung des Projekts.
Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

